"Plagiat" umfasst sehr Unterschiedliches, von bewusstem Abschreiben bis zur vergessenen Klammer. Auch die Prüfungsordnungen behandeln das nicht gleich. Hier die Arten, grob nach Gewicht geordnet.
1. Wörtliche Übernahme
Text direkt aus einer Quelle, ohne Anführungszeichen und ohne Beleg. Die klassische Form und die am leichtesten nachweisbare: Eine Suche nach einem einzigen Satz in Anführungszeichen findet die Quelle meist in Sekunden.
Schwere: hoch. Wenn ganze Absätze identisch sind, besteht selten Zweifel an der Absicht.
2. Mosaikplagiat
Sätze und Wendungen aus einer Quelle, mit einzelnen ausgetauschten Wörtern in den eigenen Text eingewoben. Auch Patchwork genannt.
Das ist die Form, in die die meisten ungewollt geraten — meist, weil Notizen zu nah am Original geschrieben wurden und später niemand mehr weiß, was Zitat war und was eigen.
Schwere: hoch. Ausgetauschte Wörter gelten oft als erschwerend: Sie deuten auf einen Verschleierungsversuch hin.
3. Paraphrase ohne Beleg
Der Gedanke und die Struktur der Quelle in eigenen Worten wiedergegeben, aber ohne Nennung der Quelle. Die Sprache ist Ihre, der Gedanke nicht.
Viele glauben, Umformulieren hebe die Belegpflicht auf. Tut es nicht — der Beleg gilt dem Gedanken, nicht der Formulierung.
Schwere: mittel bis hoch, je nach Umfang.
4. Eigenplagiat
Wiederverwendung eigener, bereits eingereichter Texte, ohne das anzugeben. Klingt harmlos, wird aber von den meisten Hochschulen als eigener Verstoß behandelt — Sie bekommen zweimal Anerkennung für dieselbe Arbeit.
Schwere: sehr unterschiedlich. Mancherorts eine Formalie, andernorts dem gewöhnlichen Plagiat gleichgestellt.
5. Falsche oder erfundene Quellen
Ein Beleg, der nicht zu dem passt, was er stützen soll — oder eine Quelle, die es gar nicht gibt. Letzteres ist seit dem Aufkommen von Sprachmodellen deutlich häufiger geworden, weil diese plausible Angaben erfinden.
Schwere: hoch, mit steigender Tendenz. Eine erfundene Quelle lässt sich schwer als Versehen erklären.
6. Fehlende Anführungszeichen
Die Quelle ist angegeben, aber der wörtliche Text steht ohne Anführungszeichen und liest sich wie eine Paraphrase. Der Leser hält die Formulierung für Ihre.
Schwere: niedrig bis mittel. Oft echte Schlamperei und meist auch so behandelt — korrigiert werden muss es trotzdem.
7. Unbewusstes Plagiat
Sie erinnern eine Formulierung, aber nicht, woher sie stammt. Das passiert jedem, der viel in einem engen Feld liest.
Schwere: gering in der Absicht, die Folge hängt aber vom Umfang ab. Keine Prüfungsordnung verlangt den Nachweis von Vorsatz.
Was Sie dagegen tun können
Die meisten Fälle gehen auf eine von zwei Arbeitsgewohnheiten zurück, und beide lassen sich ändern:
- Schreiben Sie Notizen von Anfang an in eigenen Worten. Kopieren Sie doch etwas wörtlich hinein, setzen Sie sofort Anführungszeichen und Seitenzahl. Dort entsteht das Mosaikplagiat — nicht am Schreibtisch, sondern in Notizen von vor Wochen.
- Setzen Sie den Beleg zugleich mit dem Satz. "Die Quelle suche ich später" ist die Gewohnheit, die die meisten fehlenden Nachweise produziert.
Eine Plagiatsprüfung vor der Abgabe findet die wörtlichen Formen — Übernahme, Mosaik und fehlende Anführungszeichen. Die Paraphrase ohne Beleg findet sie nicht, weil es keinen wörtlichen Text zu finden gibt. Darauf müssen Sie selbst achten.